Halbjahresfinanzbericht 2016

Wolfgang Kirsch (Vorstandsvorsitzender)

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Halbjahresfinanzbericht der DZ BANK Gruppe zum 30. Juni 2016 markiert ein besonderes Ereignis für unsere Organisation: den erfolgreichen Abschluss der Fusion von DZ BANK und WGZ BANK. Dieser hat die vergangenen Monate maßgeblich geprägt und kommt bereits in dem vorliegenden konsolidierten Finanzbericht zum Ausdruck. Das Halbjahresergebnis vor Steuern beträgt rund 1,57 Milliarden Euro. Es spiegelt eine überwiegend positive Geschäftsentwicklung sowie positive Bewertungseffekte aus der Fusion wider.

Das Zusammengehen von DZ BANK und WGZ BANK zu einem genossenschaftlichen Zentralinstitut ist ein historischer Schritt. Unsere Organisation erreicht damit eine vollständig durchkonsolidierte Struktur im Oberbau, die uns bei der Bewältigung von Zukunftsaufgaben unterstützt. Wir zeigen als Genossenschaftliche FinanzGruppe damit einmal mehr Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit. Die effiziente und schnelle Umsetzung unseres Zusammenschlusses unterstreicht dies.

Gemäß der führenden IFRS-Rechnungslegung erfolgte Ende Juni 2016 der Übergang der Vermögensgegenstände und Schulden der WGZ BANK auf die DZ BANK. Die fusionsbezogenen Effekte sind in der Gewinn- und Verlustrechnung in der Position „Ergebnis aus Unternehmenszusammenschluss WGZ BANK“ ausgewiesen. Die anderen Positionen reflektieren im ersten Halbjahr 2016 noch die DZ BANK Gruppe vor Fusion und sind daher mit dem ersten Halbjahr 2015 vergleichbar.

Zu den Ergebnissen im Einzelnen: Der Zinsüberschuss blieb in einem Umfeld negativer Zinsen mit 1,36 Milliarden Euro nahezu stabil (Vorjahr: 1,38 Milliarden Euro). Maßgeblich dafür war unter anderem eine stabile Entwicklung bei der DZ BANK AG, deren Firmenkundengeschäft sich gut entwickelt. Positiv wirkte sich zudem die Ausschüttung der EURO Kartensysteme in Höhe von 62 Millionen Euro aus. Indes waren bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall (BSH) die Folgen des niedrigen Zinsniveaus spürbar. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft erhöhte sich in der DZ BANK Gruppe auf minus 219 Millionen Euro (Vorjahr: minus 41 Millionen Euro), lag damit aber auf einem insgesamt weiterhin unauffälligen Niveau. Wesentlich für den Anstieg waren unter anderem Zuführungen zur Risikovorsorge bei der DZ BANK AG sowie bei der DVB. Der Provisionsüberschuss erreichte mit 822 Millionen Euro das hohe Vorjahresniveau (826 Millionen Euro). Erheblichen Anteil daran hatte eine erneut gute Geschäftsentwicklung bei Union Investment sowie ein höherer Provisionsüberschuss im Kapitalmarktgeschäft der DZ BANK AG. Das Handelsergebnis erhöhte sich im Wesentlichen durch ein über Vorjahr liegendes Ergebnis im Kapitalmarktgeschäft sowie aufgrund der Bewertung eigener Emissionen der DZ BANK AG von 226 Millionen Euro auf 501 Millionen Euro. Das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft stieg infolge eines guten Kapitalanlageergebnisses sowie Beitragsentwicklung bei der R+V auf 461 Millionen Euro (Vorjahr: 405 Millionen Euro).

Insgesamt betrug das Ergebnis vor Steuern 1,57 Milliarden Euro (Vorjahr 1,28 Milliarden Euro). Darin enthalten ist das „Ergebnis aus Unternehmenszusammenschluss WGZ BANK“ in Höhe von 363 Millionen Euro.

Die guten Ergebnisse bei gleichzeitig erfolgreichem Abschluss des Fusionsprozesses sind Ausdruck der hohen Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihnen sprechen meine Vorstandskollegen und ich unseren ausdrücklichen Dank aus.

Die erwirtschafteten Gewinne haben wir genutzt, um unsere Kapitalbasis weiter aus eigener Kraft zu stärken. Im Zusammenwirken mit einem sorgsamen Management der Risikoaktiva und positiven Fusionseffekten konnten wir unsere harte Kernkapitalquote weiter steigern. Sie lag zum 30. Juni 2016 in einer Pro-forma-Rechnung nach Fusion bei 13,9 Prozent unter voller Berücksichtigung der Kapitalrichtlinie CRR. Dieser Wert liegt 0,9 Prozentpunkte über dem Wert der DZ BANK zum 31.12.2015 in der Betrachtung vor Fusion.

Die positive Entwicklung unserer Institutsgruppe haben wir in einem anspruchsvollen Umfeld erreicht. Neben weiter zunehmenden geopolitischen Risiken stellt sich nach dem Brexit-Votum die Frage nach der politischen und ökonomischen Zukunft Europas drängender denn je. Zudem haben wir in Europa augenscheinlich einen neuen Normalzustand aus niedrigen Zinsen und bestenfalls moderatem Wachstum erreicht. Die Negativzinspolitik der EZB verfehlt bisher ihre Wirkung, während die Risiken von Fehlallokationen des „billigen“ Geldes steigen und die Reformbemühungen vielerorts stocken. Davon ist auch Deutschland trotz aktuell robuster wirtschaftlicher Entwicklung nicht auszunehmen. Unsere Volkswirte erwarten für dieses Jahr unter dem Strich ein moderates Wachstum der deutschen Wirtschaft um 1,6 Prozent. Vor diesem Hintergrund erscheint für die DZ BANK Gruppe unter Einbezug der Fusionseffekte ein Ergebnis oberhalb von zwei Milliarden Euro realistisch.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen und eines wettbewerbsintensiven Bankenmarkts treiben wir die Weiterentwicklung der DZ BANK Gruppe kontinuierlich voran. Drei Themen stehen dabei im Vordergrund. Erstens hat die strukturelle und kulturelle Integration der fusionierten Bank für uns hohe Priorität. Maßgebliche Richtungsentscheidungen haben wir dazu bereits getroffen und umgesetzt. Zweitens stellt uns das Zusammenwirken von Niedrigzinsen und die kontinuierliche Verschärfung der Regulatorik – Stichwort Basel IV – vor die Daueraufgabe eines wirksamen Kapital- und Kostenmanagements. Die Realisierung von Fusionssynergien wird hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Drittens arbeiten wir fortwährend an der Sicherung und am Ausbau unserer Ertragsbasis, insbesondere im Firmenkundengeschäft. Hierbei nutzen wir sowohl das durch die Fusion komplettierte Leistungsangebot als auch neue, digitale Ansätze aus unserem Innovationsmanagement.

Der Stolz auf das gemeinsam Erreichte ist für uns kein Anlass, uns auszuruhen. Die hervorragende Marktstellung und Reputation, über die unsere Organisation heute verfügt, fußt auf vorausschauendem unternehmerischen Handeln ebenso wie auf Eigenverantwortung und Zusammenhalt. Wir planen und arbeiten also weiter an der Zukunftsfähigkeit der Genossenschaftlichen FinanzGruppe mit – seit dem 1. August als Ihre „DZ BANK. Die Initiativbank.“

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Kirsch
Vorstandsvorsitzender